Mainova Frankfurt Marathon 2018

Schafft man ein Marathon ohne Training?

Im Mai 2018 hab ich meinen ersten Marathon gelaufen. Den Gutenberg-Marathon in Mainz.

Geplant war eigentlich ein Halbmarathon. Jedoch war mein Kollege nicht davon abzubringen die volle Distanz zu laufen. Sollte ich ihn also alleine Laufen lassen?

Trainiert hatte ich eigentlich nur für einen Halben, spontan wurde es ein ganzer Marathon… Aber ich hatte trainiert!

Soviel zum Rückblick…

Da meine Frau schwanger war brauchte ich mich nicht einmal anzumelden sondern musste nur ihren Startplatz übernehmen. Für das Baby macht man das ja natürlich auch gerne und somit war es für mich auch klar, dass bereits mein ungeborenes Kind mein Ansporn sein sollte.

Aber wie ist es oft im Leben…?  Ein geplantes Ereignis kommt ganz plötzlich!

Seit Mai hatte ich so gut wie kein Training mehr. Zwei mal fünf Kilometer, den Sportscheck-Lauf in Frankfurt mit zehn Kilometer und eine Woche vorher einen spontanen Lauf über einundzwanzig Kilometer. Abgesehen von zwei Sprint-Triathlon hatte ich tatsächlich keine optimale Vorbereitung. Der Halbmarathon eine Woche zuvor sollte für mich ein Test sein. Wenn ich bei diesem Lauf massive Probleme gehabt hätte, wäre ich bei dem Marathon womöglich nicht angetreten.

Nachdem ich samstags die Startunterlagen geholt hatte, konnte ich ganz entspannt nach Frankfurt fahren.  Umziehen, Tasche abgeben… dank der Organisation ein Kinderspiel!

Warm laufen? Nein nicht so  wirklich… an dem kalten und stürmischen Morgen wäre man am Start sowieso  sofort wieder ausgekühlt. Auf 42 Kilometer hatte ich ohnehin genug Zeit mich warm zu laufen J

Eiskalter Wind stürmte durch die Häuserschluchten! Ich war froh  als der Startschuss fiel! Langsam setzte sich die Karawane mit tausenden Läufern in Gang. Zahlreiche Zuschauer standen am Wegesrand und puschten die Läufer über die Startlinie!

Mein Ziel war nicht eine Bestzeit, mein einziges Ziel war nach rund zweiundvierzig Kilometern in die Festhalle zu Laufen, egal wie lange es dauern sollte.

Zunächst konnte ich die langsame Masse nutzen um mich tatsächlich auf den ersten Kilometern warm zu laufen. Nach und nach zogen die schnellen Läufer davon und die Langsameren fielen soweit zurück, dass sich der ganze Pulk auseinander zog. Nun war es optimal um zu testen bei welcher Geschwindigkeit sich mein Puls in einen gesunden Bereich einpendelt.

Es ist schon ein euphorisches Gefühl mit tausenden Sportlern durch die Stadt zu laufen. Musikgruppen, Radiosender mit Musikeinlagen und ein riesiges Publikum vermitteln an einem ohnehin spannenden Tag noch eine ganz besondere Atmosphäre.

Ich setzte mir zunächst ein Ziel von zehn Kilometer. Danach wollte ich schauen was mein Körper zu dem Tempo sagt und ob ich an der Geschwindigkeit etwas ändern müsste. Die  ersten Kilometer zogen an mir vorbei und ich fühlte mich echt gut. Nächstes Ziel? Die nächsten zehn Kilometer!

Die erste Hälfte von der gesamten Strecke hatte ich nun hinter mir und fühlte mich immer noch gut!

Hier und da zwickte es mal im Oberschenkel, mal in der Wade und ab und an meldete sich der Mittelfuß. Aber es  waren zum Glück keine Krämpfe!

Zuerst nutzte ich jede Verpflegungsstation um reichlich zu trinken. Später aber ließ ich Stationen aus und lief weiter. Zumindest deutete mein Körper in den Momenten nicht an das etwas fehlte.

Ich fand eine Frau die mein Tempo und meine Schrittfrequenz hatte. Da wir beide Musik in den Ohren hatten, liefen wir ohne Worte hintereinander her. Wir wechselten uns ab und zogen uns gegenseitig mit.  Irgendwann verlor ich sie an einer Verpflegungsstation.

Sie kam zwar noch einmal an mich ran, aber nach kurzer Zeit brach sie komplett ein. Sie lief am Rand deutlich langsamer weiter. Als Zeichen schüttelte sie einfach den Kopf und hob den Daumen.

Nach etwa achtundzwanzig Kilometer kam auch bei mir ein kurzer Tiefpunkt. Meine Zeit verlangsamte sich und meine Lust schwand ebenfalls.

Es lag wohl daran das ich mich nicht mehr auf das Laufen konzentrierte und ich eine schlechte Grundhaltung annahm. Nachdem ich mich wieder mehr auf das wesentliche konzentrierte, stimmte auch meine Geschwindigkeit wieder.

Die Mainzer-Landstraße zog sich wie zu erwarten schier ins Unendliche. Die kilometerlange Landstraße bietet kein greifbares Ziel. Dazu kam noch ein starker Gegenwind der nicht nur an den Kräften zerrte.

Mit einem Auge auf Puls und Pace spulte ich Kilometer für Kilometer runter. Ich fühlte mich immer noch gut und war voller Optimismus, dass ich den Marathon schaffen würde.

Das Publikum wurde deutlich mehr, die Musik lauter…! Wir kamen an der Skyline-Plaza mit Blick auf die Festhalle vorbei. Hunderte von Menschen standen an der Straße und jubelten uns Läufern zu! Waren wir bereits vor dem ersehnten Zieleinlauf?

Nein, es waren noch über fünf lange Kilometer!

Einige verloren dies jedoch aus dem Blick. Von dem Trubel getrieben zogen sie ihr Tempo deutlich an… Mit der verbleibenden Strecke im Hinterkopf, bremste ich mich selbst. Ich prüfte immer wieder meinen Pace und blieb bei meinem Tempo.

Viele liefen auf den letzten Kilometern am Streckenrand. Krämpfe, ausgelaugte Gesichter…  die Rache sich viel  zu früh aufs Ziel gefreut zu haben.

Dennoch zogen sich die letzten Kilometer ins unermessliche! Laut Pace und Puls befand ich mich noch im selben Bereich wie zuvor,  für den Kopf jedoch stand die Zeit still.

Trotzdem kam das Ziel näher! Die Zielgerade mit hunderten jubelnden Zuschauern! Der Eintritt in die Festhalle mit einem atemberaubenden und unerklärbaren Zieleinlauf! Es war geschafft!

Kein Lauftraining… dennoch war ich im Ziel…!!! Eine gute Grundkondition, der Wille, der Ehrgeiz und das Zähne zusammenbeißen hatte gereicht!

4:32 h,  zwanzig Minuten schneller als beim Gutenberg-Marathon in Mainz!

 

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